Reparatur-Versuch an einem Röhrenradio Undine II

Als ich vor einiger Zeit unterwegs war, sah ich am Straßenrand ein verwaistes altes Radio stehen.
Ich war schon daran vorbei aber dann trieb mich die Neugier doch zurück, um einen Blick darauf zu werfen.
Es war ein Röhrenradio vom Typ „Undine II“ und von Lackschäden abgesehen, sah es äußerlich gar nicht so schlecht aus. So keimte die Idee, einen Versuch zu starten, diesen Empfänger-Veteranen wieder zum Leben zu erwecken. Ich packte die Kiste ein und nahm sie erst einmal mit nach Hause.

Tage später nahm ich mir dann die Zeit, das Gerät einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Zunächst reinigte ich es außen und innen, so gut es ging.

Röhren-Radio Undine II

Röhren-Radio Undine II

Der Empfänger war vollständig mit Röhren bestückt und es waren keine anderen Schäden zu erkennen. Ich fasste mir ein Herz, steckte den Stecker in die Dose und schaltete das Radio ein. Wider Erwarten gab es keinen Knall und keinen Rauch und sogar die Heizfäden der Röhren begannen sichtbar zu glühen.
Das war doch schon mal ein guter Anfang aber das Radio blieb stumm.
Ich schaltete es wieder aus und zog dann nacheinander alle Röhren aus den Fassungen, um sie mir genauer anzusehen. Dabei stellte ich fest, dass auf dem Platz der Gleichrichterröhre, wo eigentlich eine EZ80 oder EZ81 stecken sollte, eine ECL81 thronte. So konnte das natürlich nicht funktionieren.
Nach kurzer Internetrecherche zeigte sich, dass viele Röhren der 80er E-Serie noch angeboten werden. Ich hatte aber keine Lust auf solchen Investitionen ohne konkretere Aussichten auf einen Erfolg meiner Rettungsaktion.
Freundlicherweise hatte der Radiohersteller, wie früher üblich, auf die Geräterückwand den Bestückungs- und den Schaltplan geklebt. Daraus erkannte ich, dass die Gleichrichterröhre provisorisch durch eine einfache Schaltung mit zwei Halbleiter-Gleichrichterdioden ersetzt werden konnte.
Die Betriebsgleichspannung liegt in der Größenordnung von beinahe 400V. Da die Trafowechselspannung an der Diode bei negativer Halbwelle eine mehr als doppelt so hohe Spannung erzeugt, besorgte ich, um sicher zu gehen, zwei Si-Gleichrichterdioden mit 1000V Sperrspannung, lötete sie entsprechend zusammen uns steckte sie direkt in den Röhrensockel. Um größeren Schaden bei einem evtl. vorhandenen Kurzschluss zu vermeiden, schaltete ich zunächst noch eine 100-W-Lampe in Reihe. Da keine Rauchwölkchen aufstiegen, entfernte ich die Lampe aus der Schaltung.
Als ich das Radio nun einschaltete, gab es die ersten Geräusche von sich. Ich war begeistert.
Mit der eingebauten Hilfsantenne konnten auf UKW (heute als FM bezeichnet) stärkere Sender empfangen werden. Doch der Klang war ziemlich piepsig und verzerrt. Der Anfang war gemacht aber die Fehlersuche musste weitergehen.