Radio selber bauen mit Transistoren

 

Ein Wort im Voraus:

In Deutschland sind alle leistungsstärkeren Rundfunksender auf der Mittelwelle (526,5 kHz bis 1606,5 kHz) abgeschaltet worden.

Auch im Langwellenbereich (148,5 kHz bis 283,5 kHz) ist kein deutschsprachiger Sender mehr zu empfangen.

Deshalb bleibt beim Nachbau dieser Empfangsschaltung für den Mittelwellenbereich leider inzwischen das Erfolgserlebnis aus.

 

Die ersten Germaniumtransistoren machten das Radio bauen interessant

Wie schon berichtet, konnte ich mir in den Anfangszeiten meiner Radiobasteleien typengerechte Transistoren nicht leisten. Aber irgendwann gelang es mir sogenannte Basteltransistoren zu bekommen, die zwar für Industrieschaltungen wegen Abweichungen einzelner Kennwerte nicht brauchbar waren, für viele Basteleien aber gut funktionierten.
Sie hatten die ovalen Gehäuse der OC811er Reihe, jedoch ohne Beschriftung, bzw. mit einem farbigen Firmensymbol. Die unterschiedlichen Farben des Symbols standen für verschiedene Verstärkungsklassen.
Bei späteren Ausführungen der Transistoren für Endstufen kleiner Leistung wurden die ovalen durch runde Gehäuse ersetzt.

 

Zur Gewinnung weiterer Radio-Bauteile hatte ich mir einige defekte Radio-Geräte beschafft und diese ausgeschlachtet. Die Bauteile wurden gereinigt und sortiert und das Ergebnis war ganz ansehnlich.

Nun konnte es los gehen mit dem Transistor-Radio selber bauen.
Die geplante Empfängerschaltung war eine Detektorschaltung mit Germaniumdiode zur HF-Gleichrichtung und einer nachfolgenden Transistorstufe als NF-Verstärker. Vor der Germaniumdiode war ein Parallelschwingkreis angeordnet, bestehend aus der Antennenspule und einem Drehkondensator zur Senderwahl.

Für die Wiedergabe war ein Kopfhörer vorgesehen. Zum Betrieb eines Lautsprechers reichte die Verstärkung und Ausgangsleistung bei einer Transistorstufe nicht aus.

Auf einer kleinen Hartpapierplatte (Pertinax) wurden der Drehkondensator, zwei Buchsenleisten für Antenne, Erde und die Kopfhörer und zwei Lötleisten fest geschraubt. Die Lötleisten, die parallel in der Mitte saßen, dienten als Lötstützpunkte für die übrigen Bauelemente und Verbindungsdrähte. Ein Schalter war nicht notwendig, weil die Kopfhörer beim Herausziehen die Batterieleitung öffneten.


Ein Spulenkörper mit Hochfrequenz-Eisenkern erhielt für den Empfang auf Mittelwelle entsprechend der Schaltungsvorlage eine Wicklung aus 80 Windungen HF-Litze, mit einer Anzapfung bei der vierzigsten Windung. Die Litzenenden wurden abisoliert und verzinnt. Alle Bauteile wurden nach und nach an den Lötleisten verlötet und dabei möglichst direkt, ohne zusätzlichen Schaltdraht, miteinander verbunden.

Anders als heute üblich, waren meine Kopfhörer hochohmig, sodass kein Ausgangsübertrager eingebaut werden musste.


Die Schaltung sah wohl etwa so aus:

Nach einiger Übung klappte das Löten ganz gut. Wichtig war vor allem, die Anschlüsse der Bauelemente erst einmal richtig blank zu machen und dann sauber zu verzinnen. Ansonsten konnte es bei den verwendeten alten Teilen leicht zu sogenannten „kalten Lötstellen“, also versteckten Wackelkontakten kommen.


Hier ein paar Bilder von Bauelementen, wie ich sie so ähnlich verwendet habe:

 

Hochfrequenzspule mit HF-Eisenkern

Germanium-Halbleiterdiode

Drehkondensator

Drehkondensator zur Senderabstimmung

Germaniumtransistor

Ge-Transistor ähnlich OC811

 

Dann war endlich alles zusammengebaut. Sicherheitshalber prüfte ich noch einmal, ob keine Anschlüsse oder Verbindungen verwechselt waren.
Danach kamen die Langdrahtantenne und die Erdleitung in ihre Buchsen, der Kopfhörer wurde angeschlossen und die Batterie angeklemmt.


Mit dem Drehkondensator suchte ich nach Sendestationen und fand sie auch schnell. Es waren mehrere Mittelwellen-Sender zu empfangen und die waren durch die Transistorstufe auch um einiges lauter zu hören, als zuvor nur mit der Diode. Ich war richtig stolz auf mein erstes selbst gebautes Transistor-Radio.


Aber bald merkte ich, dass es doch ziemlich hinderlich ist, Musik mit Kopfhörern zu hören, wenn man nebenbei noch etwas anderes tun möchte. Und schon war das nächste Radio-Projekt geboren: ein Transistorradio mit Lautsprecherempfang.