Erste Erfolge mit Röhren

Ich hatte schon mit Metall- und Elektrobaukästen, Lämpchen, Batterien und einem kleinen Experimentiertrafo gebastelt. Im Radiolehrbuch konnte ich lesen, dass Radios z.B. mit Trioden und Penthoden gebaut werden aber von der Vielzahl der vorhandenen Röhrentypen und den Röhrendaten hatte ich keinen blassen Dunst.
Aber so eine Triode wollte ich von meinem Vater jetzt haben, ohne zu wissen, dass ich mit meiner Taschenlampenbatterie als Spannungsquelle nicht viel erreichen würde.

Nach längerem Drängen gab er dann endlich nach und sagte: Wir bauen das Radio gemeinsam. Er kramte aus seinen „Schätzen“ im Keller die verschiedensten Teile hervor, die wir dafür brauchten. Jetzt machte ich erstmals reale Bekanntschaft mit den Bauelementen eines Radios: ein altes Volksempfänger-Gehäuse mit Lautsprecher, ein Chassis mit Drehkondensator, Skala, Röhrensockeln und Netztrafo, Elektrolytkondensatoren, ein Wellenschalter mit den Spulensätzen für Lang-, Mittel- und Kurzwellen, ein Potentiometer für die Lautstärkeregelung, ein Quetscher (Papierdrehkondensator) für die Rückkopplungseinstellung und Schachteln mit Kondensatoren und Widerständen.
Als Röhren kamen eine AF7 für die Audionstufe, eine AL4 für die NF-Verstärkung und eine AZ11 für die Gleichrichtung zum Einsatz. Eine passende Schaltung war auch bald gefunden.
Es war Wochenende und nach dem Abendbrot ging es los. Die ganze Nacht hindurch glühte der Lötkolben und dampfte das Kolophonium (ich glaube es war damals sogar Lötfett). Früh um fünf Uhr hatten wir alles zusammen gelötet.
Mein Vater wies mich darauf hin, vorsichtig zu sein, da im Radio durch die Gleichrichtung Spannungen über 300 Volt vorhanden waren. Dann schalteten wir das Radio ein und es knallte und blitzte nichts – schon mal ein Erfolg. Mein Vater tippte mit dem Schraubenzieher auf das Steuergitter der AL4. Es brummte. Die Endstufenröhre arbeitete. Genauso testeten wir die AF7 und es brummte noch lauter. Wir rollten ein paar Meter Schaltdraht aus und steckten ein Ende in die Antennenbuchse. Der Rückkopplungsdrehko wurde bis kurz vor das Einsetzen des Pfeifens verstellt. Als wir dann an der Senderabstimmung drehten, ertönte plötzlich Musik und zwar ziemlich laut.
Wir waren stolz – das Radio funktionierte. Und das recht gut, wie ich feststellte, nachdem ich eine Langdrahtantenne aufgebaut und angeschlossen hatte. Auf den drei Wellenbereichen waren eine ganze Anzahl von Sendern in guter Lautstärke und brauchbarer Klangqualität zu empfangen. Natürlich ließen durch den Freischwinger-Lautsprecher die hohen Tonfrequenzen etwas zu wünschen übrig, doch HiFi-Technik kannten wir damals noch nicht.
Ich durfte das Gerät mit auf mein Zimmer nehmen und hatte nun die Möglichkeit jeden Morgen vor der Schule auf Kurzwelle den „Morgenwecker“ von Radio Luxemburg hören.